... Peru Country Fact: Varieties of Potatoes: 3,500 ... Threethounsandfivehundred different potatoes ...
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B  
'A journey through South America'
 

featuring Venezuela, Brazil, Bolivia & Peru
9. August – 24. September 2003

Venezuela

Am 9. August flog ich von München via Frankfurt nach Caracas/Venezuela. Dort sollte ich meinen älteren Bruder und einen Freund treffen, die schon seit 6 Wochen von Guatemala über San Salvador, Nicaragua und Costa Rica nach Panama gereist sind um dann mit dem Flugzeug über Kolumbien nach Venezuela zu fliegen. So sicher war ich mir ja nicht ob das gut gehen wird, so war doch unser letzter Email Kontakt schon 3 Tage vergangen und keiner von uns war bisher am Aeroporto Simon Bolivar Caracas gewesen. Doch es ging (fast) alles gut, sie waren nicht schwer zu finden, mein Rucksack an der Gepäckausgabe jedoch hingegen schon. So blieben wir 2 ganze Nächte und Tage in Caracas, was wir eigentlich zu vermeiden versucht hatten.

Von den etwa 24 Mio. Venezolanern leben etwa 1/3 in Caracas. So ist es leicht nach zu vollziehen, dass genau dort Kriminalitätsrate, Korruption generelle Unsicherheit am größten sind. Die Stadt ist einzuordnen irgendwo zwischen Melting Pot und Moloch, sehr flashiger Beginn der Reise.

Von Caracas führte uns der Weg dann mit dem Bus an der Karibikküste nach Porto La Cruz, um von dort aus mit dem Schiff auf die Isla de Magaritha über zu setzen. Nach der schnell- und vor allem lautlebigen Stadt war es eine echte Erholung sich an den Karibikstränden der Insel an das Leben in Südamerika zu gewöhnen.

Auch meinen 23sten Geburtstag erlebte ich, wie schon so oft, an einem Ort an dem ich noch nie zuvor gewesen war und wieder dachte ich mir, es könnte kein besseres Geschenk geben. Eine riesige Lagune schmückt den zentralen Teil der Insel, welche Heimat für die seltene rote bzw. schwarze Mangrove ist. Weiters findet man in der Trockenvegetation der Insel meterhohe Säulen-, fußballgroße Melonen- und wunderschöne Feigenkakteen.

Nach einer Woche setzten wir wieder mit der Fähre über. Der billigste Platz am Schiff ist das Zwischendeck, kommunikativ aber mit Sicherheit der Wertvollste. Es ist nicht schwer die Menschen dort kennen zu lernen und da Italienisch und Spanisch nicht weit voneinander entfernt sind, funktionierte die zwischenmenschliche Kommunikation unerwarteter Weise sehr gut. Nach einer weiteren Nacht im versieften Porto la Cruz nahmen wir einen 36h Bus nach Boa Vista/Brasilien via Ciudad Bolivar. Von der Karibikküste in Richtung Süden durchquerten wir die Steppen und Subtropen Venezuelas um schließlich in den subtropischen Teil Nordbrasiliens zu gelangen. Der Grenzübertritt war problemlos verlaufen, worüber wir doch sehr glücklich waren.

Venezolanisches Mosaik

Alle Rassen, alle Kontinente, alle Kulturen vereinigten sich auf venezolanischen Boden, auf dem Knotenpunkt für inneramerikanische Völkerwanderungen längst vergangener Zeiten.

Als Gott die Erde schuf und die Reihe an Venezuela kam, schöpfte er aus dem Vollen: Er formte die schönsten Landschaften, füllte sie mit einer reichen Tier- und Pflanzenwelt, verteilte großzügig Erdöl, Gold und Diamanten, legte Flüsse als Transportwege an und sorgte für ein angenehmes Klima. Dann hielt er einen Moment inne, betrachtete zufrieden sein Werk und lächelte verschmitzt: „Und nun, damit es jemanden gibt, der mit alldem nichts Rechtes anzufangen weiß, füge ich noch die Venezolaner hinzu.“

 

Brasilien

Unser erster Aufenthalt war also Boa Vista, die am nördlichsten gelegene Stadt Brasiliens. Boa Vista liegt direkt am Rio Branco und mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von nahezu 28°C konnten wir schon langsam das Klima im Amazonasbecken erahnen. Die Stadt ist relativ ruhig, jedoch bietet sie auch dementsprechend wenige Highlights.

Einen Abend füllten wir mit Kinoprogramm und man möchte fast nicht glauben welch enormen Bekanntheitsgrad der Herr Schwarzenegger in nahezu allen Ländern Südamerikas die ich bereiste, besitzt. So war es auch kein Wunder das ebendort sein neuester Film „Exterminadores Tres“ einschlug wie eine Bombe.

Am nächsten Tag kamen wir, mehr zufällig als gewollt, an der Escuola AYRTON SENNA vorbei, welche der berühmte, leider schon verstorbene Rennfahrer, neben etlichen anderen Projekten, einst unterstützt hat. Wir sahen uns die Schule von innen an und konnten ein bisschen in den Schulalltag Brasiliens erahnen.

Nach zwei Tagen brachen wir wieder auf und nahmen einen Omnibus nach Manaus, inmitten des Amazonasbeckens. Auf diesem Weg überquerten wir den Äquator und ich war das erste Mal auf der Südhalbkugel unseres Planeten. Ebenfalls durchquerten wir, entlang des Highway BR-174, ein 125 km langes Teilstück, welches durch ein 25.000 km2 großes Indianerland führt: Terra Indigena Waimiri Atroari. In den 70er Jahren verdeitigten die Indigenen Völker ihr Land gegen den Straßenbau und töteten über 200 brasilianische Soldaten durch Froschgiftpfeile. Die Verluste auf Seite der Indianer waren aber leider viel höher: von 1.500 (1974) wurden sie auf nur noch 374 (1986) dezimiert. Heute leben etwa 800 Stammesmitglieder in diesem Reservat und nur große Reisebusse dürfen nachts die sandige Piste befahren.

(Literaturempfehlung: Rüdiger Nehberg, ‚Yanomami – Überleben im Urwald’ oder ‚Über den Atlantik und durch den Urwald – Eine Rettungsaktion für die Yanomami’)

Die Stadt Manaus war genauso atemberaubend wie ich mir nach Lektüre ihrer Geschichte erwartet hatte, die riesige Oper (erbaut 1896 mitten im Urwald.) prägt das Bild der Stadt, welche mich manchmal, auf Grund der vielen Hügeln und die dadurch resultierenden Straßensteigungen, an San Francisco erinnerte. Der Hafen ist wohl der bedeutendste und anschaulichste Teil der Stadt, besonders der Fischmarkt ist hervorzuheben.

Die Stadt liegt am Rio Negro welcher sich etwa 10 km weiter östlich von Manaus mit dem Rio Solimoes verbindet und so den Rio Amazonas entstehen lässt. ‚Encontro de Aguas’ heißt die etwa 20 km lange Wasserscheide, wo sich so genanntes Schwarzwasser des Rio Negros und Weißwasser des Rio Solimoes treffen, ein Naturschauspiel sondergleichen. Das Flusssystem des Amazonas ist so komplex und vielfältig, dass eine einfache Beschreibung unmöglich ist, es seien nur kurz zwei interessante Fakten angeführt: Der Amazonas ist durchschnittlich zwischen 70 und 130 Meter tief und speichert 1/5 des Regenwassers der Erde.

Die Temperaturen waren anfangs sehr gewöhnungsbedürftig, einschlafen bei 35°C und einer durchschnittlichen Luftfeuchtigkeit von über 90 %. 24/7 schwitzen, Tag und Nacht. Zwei Tage fuhren wir mit Booten etwa 150 km in südliche Richtung, mitten hinein in den Regenwald. Unglaublich und schwer in Worte zu fassende Erlebnisse erfuhren wir in der Amazonas Lodge, im Herzen des Amazonasbeckens. Dort ist der Frieden zu Hause. Regenwaldtouren, Piranha-fishing, Alligator-watching und unvergessliche Sonnenuntergänge in einigen der unzähligen Lagunen bescherten mir Momente vollkommener Zufriedenheit und Glückseligkeit. ;-)

Artenreichtum von Flora und Fauna auf diesem Flecken Erde ist unvergleichbar. 1000te Vögelarten, Affen, Alligatoren, Taranteln, Piranhas, Frösche, Morphofalter, Wasserbüffeln, Salamander, Rieseneulen, Schildkröten, fliegende Fische, Süßwasserdelphine, Papageien eine Million Insekten, Palmen, Bromelien, Bananengewächse, Urwaldriesen, eben 100te Baumarten und mehr bekam ich zu sehen (um nur einige Beispiele zu nennen).

Einzig handgroße Spinnen und vor allem eine Armada von Kakerlaken und Mosquitos machen dir das Leben im Dschungel manchmal zur Hölle. Zu den großen Spinnen ist zu sagen, dass sie das wenigere Übel sind, da sie weder giftig noch sehr ermutigt sich zu bewegen sind, die bis zu 7 cm großen Kakerlaken sind schon um einiges lästiger aber noch harmlos gegen die jeden Abend einfliegenden Mosquitoschwärme, quasi fliegendes Armageddon. Nicht mal Unmengen von Repellent half. Aber das gehört eben dazu und war angesichts der Schönheit dieser Momente leicht hinzunehmen. Morgendliche Bäder im Rio Mamori brachten Abkühlung ...

Zurück in Manaus schoben wir einen relaxten Tag ein um die Erlebnisse retrospektiv zu betrachten und ich zählte über 40 höllisch juckende Mosquitostiche auf einem Bein.

Ein weiterer schöner Aspekt Manaus ist die multikulturelle Melange an Menschen, fast aus allen Ecken der Welt findet man Vertreter und so wird Fortgehen ebenfalls zum Abenteuer. An jeder Ecke offene, kennenlernswerte Menschen mit weiten Horizonten und sehr interessanten Weltanschauungen, Manaus kann man nicht erklären, man muss es gesehen und gespürt haben ....

 

Rio Madeira

Der Rio Madeira ist einer von mehreren großen Nebenarmen die in den Amazonas münden. Mit seiner hohen Fließgeschwindigkeit, häufig auftretendem Nebel und oft seichtem und vor allem steinigem Untergrund ist er einer der gefährlichsten Zubringer des Amazonas. Wir entschieden uns also von Manaus aus den Rio Madeira 1200 km, stromaufwärts, in südwestliche Richtung bis Porto Velho zu befahren. Ersten schien uns diese Alternative preiswert und abenteuerlich und zweitens bot sie eine günstige Route um nach Bolivien zu gelangen.

Ein Boot, welches mich an Agatha Christies ‚Tod am Nil’ erinnerte, schnappte uns eines Abends auf um die nächsten 4 ½ Tage gemeinsam mit etwa 45 anderen Menschen am Boot bzw. am Fluss zu verbringen. Lediglich zwei mal stoppte der Kapitän um Nahrung an Bord zu holen. Am Boot schläft man am Zwischendeck im Freien in der Hängematte, quasi Hängemattenmikado. Wir waren die einzigen nicht Brasilianer am Boot und so bald Zentrum der Gespräche, weil ja jeder Mensch ein bisschen neugierig ist. So war es auch nicht schwer Kontakt zu finden, und tatsächlich wird man schnell zu Freunden, wenn man Tag und Nacht nebeneinander verbringt. Die Zeit vertrieben wir uns mit Büchern, Schachpartien, sinnieren, kommunizieren und entspannen. Unvergesslich die Nächte am Bug mit einer Flasche Rotwein und nicaraguanischen Zigarren und hin und wieder sieht man die rot reflektierenden Augen eines Alligatoren, der sich von dem hellen Bordscheinwerfer irritiert fühlt ...

Als wir in Porto Velho ankamen fuhren wir noch in der selben Nacht bis zur Bolivianischen Grenze weiter, die wir dann auch im Morgengrauen via Boot überquerten (dort trennt noch einmal der Rio Madeira Brasilien von Bolivien).

 

Bolivien

Guayara Merin hieß die Grenzstadt in Bolivien und anfängliche Besorgnisse über die sicherheitstechnische Lage in diesem Land verflogen wie von selbst. In der Tat waren die Menschen hier noch offener und meiner Meinung nach oft freundlicher als in Brasilien, obwohl ich diese Stadt hier als dritte Welt bezeichnen würde, wenn man das angesichts der politischen Korrektheit so noch sagen darf. Witziges Detail: Fortbewegung in dieser Gegend ausschließlich mit Rikschas.

Nach einem Waschtag standen wir am Busterminal und betrachteten mit großen Augen den Bus der uns die nächsten 48 Stunden nach La Paz bringen sollte. Ausgesehen hat dieser wie ein Teilnehmer der Paris-Dakar Rally, nur weitaus schäbiger. Reifenprofil nur kläglich vorhanden und mehr Staub in der Kabine als außen.

Die zwei Tage lange Fahrt, durch die Subtropen, über erneut Steppe und Savanne bis ins Altoplano, also Hochland, der Anden würde ich als Odyssee beschreiben und eine Odyssee ist was es war. Die Fenster schlossen nicht und wurden durch die ständigen Vibrationen, hervorgerufen durch die Sandpisten (kein Meter Asphalt), ständig aufgeschoben und so hatten wir schon nach der ersten Nacht im Bus Augen, Ohren, Nasen, einfach alles voll orangefarbigen Sand. Nichtsdestotrotz ein Erlebnis, weil mit Safari zu vergleichen.

Aus nordöstlicher Richtung gibt es nur einen Weg auf La Paz hinauf, die tatsächlich so genannte Todesstraße. Von etwa 1.000 auf über 4.700 m Seehöhe zieht sich die Sandpiste wie eine Schlange um die dicht bewachsenen Bergrücken der mächtigen Anden, meist nur 5 Meter breit und einseitig über 100 Meter abfallend, hinauf.

Da es jedoch Nacht war, als wir die Strecke das erste Mal befuhren, waren wir uns dessen gar nicht bewusst.

La Paz stellt man sich am besten so vor: ein Talschluss auf 3.636 Metern Seehöhe, die steil abfallenden Talwände dicht bebaut mit tausenden unverputzten Häusern, auf der Sole einige wenige Hochhäuser und moderne Architektur – gigantisch. Wir buchten uns in einem Backpacker Hostel ein (etwa 4 $/Nacht) und begannen quasi unseren Kampf gegen die enorme Höhe. War man noch nie in solch einer Höhe, ist es schwer sich vorzustellen, wie es einem ergeht. Das Problem war, dass wir sozusagen von Meeresniveau in einer Nacht auf La Paz gelangten und so unsere Körper nicht annähernd in der Lage waren sich mit der dünneren Luft anzufreunden. Das Problem ist die Konsistenz des Blutes, welche viel zu dick für diese Höhe ist und mehrere Tage braucht um sich umzustellen. Die Symptome der sogenannten Höhenkrankheit sind Kopfschmerzen, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Schlafstörungen usw. Wir brauchten also nahezu 5 Tage bis wir einigermaßen akklimatisiert waren. Mit Aspirin und Cocatee kurierten wir die Symptome der ‚High Altitude Sickness’. Cocatee ist in den Andenregionen Südamerikas schon seit jeher ein Kulturgetränk welches nichts, aber auch gar nichts, mit dem Rauschgift (Missbrauch.) zu tun hat. Für die indigenen Völker der Anden (Pukara, Qolla & Inka) war die Cocapflanzen ein heiliges Gewächs was schon damals mit seiner appetitt zügelnden und blutverdünnenden Wirkung hoch angesehen war.

Eines Tages beschlossen wir einen Moutainbike-Downhillride der besonderen Art zu bewältigen. Von 4.700 m auf 1.300 m Seehöhe fuhren wir die Todesstraße 75 km lang 6 Stunden abwärts. Hab solch eine Erfahrung noch nie zuvor gemacht, insgesamt waren wir etwa 20 Personen die sich die Cordillera de los Andes hinunterstürzten. Unten angekommen war ich todmüde, total verdreckt und noch immer benommen vom Adrenalinrausch, ein unglaubliches Erlebnis.

Das Leben in der Stadt hat mich gefesselt und so schlenderte ich fast jeden Tag durch die engen und steilen Gassen der Stadt, die Farbenfreude der Einheimischen, ausgedrückt durch die unzähligen Strickereien, Webereien und Stickereien, waren nur ein Blickfang unter hunderten. Der Kontakt zu den Menschen bescherte uns wunderbare Tage in der Hauptstadt Boliviens.

 

Huyana Potosi

Das wohl intensivste Erlebnis meiner Reise war das Vorhaben Huyana Potosi. Dieser zweithöchste Berg der Cordillera Real Bolivia ist 6.088 Meter hoch und war von Anfang an unsere Vision. Für einen erfahrener Bergsteiger (wie z.B. meinen Vater) ist es unverständlich wie wir zu dem Entschluss kamen einen 6.000ter zu besteigen, ohne vorher genügend Alpinerfahrung in den Westalpen gesammelt zu haben. Das Interessante aus meiner Sicht war, dass wir nie wirklich eine Unmöglichkeit in diesem Vorhaben sahen, wir waren eben dort, sahen den mächtigen Berg schon von La Paz aus und fanden eben schlussendlich eine Möglichkeit den Berg zu besteigen (Guide.).

Und so kam es, dass wir nach 6 Tagen Akklimatisation von La Paz aus in Richtung Potosi aufbrachen. Wir mussten uns über zwei Stunden aus der Stadt hinauskämpfen, da, wie jeden Montag, die indigenen Bauern auf die Strasse gingen, um ihren Unmut gegenüber der Regierung Ausdruck zu verleihen. Tatsächlich werden die ärmeren Schichten (also vor allem Bauern und Mittellose) extrem benachteiligt.

Gegen Mittag erreichter wir nach kurzem Marsch das Basecamp 1 auf etwa 4.700 m. Wir bauten das Lager auf, checkten die Ausrüstung und stiegen bis zur ersten Gletscherzunge auf, um verschiedene Techniken bezüglich Eis und Gletscher zu trainieren. Mit Steigeisen und Pickel stiegen wir rund 60 Meter in den Gletscher hinein, dort fixierte unser Guide eine Eisschrauben über einer 10-12 Meter hohen Blankeiswand. Mit Steigeisen, Sicherung und Pickeln versuchte ich mich unter äußerster Anstrengung im Eisklettern, und schon mein erster Versuch führte mich an die Spitze der Wand von wo ich mich nach kurzem Verschnaufen abseilte.

Nach der ersten unruhigen Nacht am Fuße des Potosi (14 Stunden im Zelt.) stiegen wir ins Basecamp 2 auf 5.300 Meter auf. Wir benötigten 3,5 Stunden für 600 Höhenmeter. Schon jetzt spürt ich die Höhe dermaßen arg, dass mich alle 15 Meter Übelkeit plagte. Der Nachmittag im Camp 2 war die Hölle, Kommunizieren war zu anstrengend, Bewegung sowieso und weder liegen noch sitzen oder stehen konnten die Kopfschmerzen und das Unwohlsein beseitigen. Wir waren jetzt genau unterhalb des ersten Eisfeldes und krochen um 18:00 Uhr ins Zelt um bis 24:00 Uhr zu dösen, schlafen quasi unmöglich. Um Mitternacht standen wir auf. Es ist schwer zu erzählen wie grausig es sein kann mitten in der Nacht schon unausgeruht in die eisige Kälte der Nacht am Berg hinaus zu steigen, unter Anstrengung das Equipment anzulegen und sich bereit für den ärgsten Marsch zu machen. Um 1:30 stiegen wir in das erste Eisfeld ein, unter Vollmond begann der Gipfelgang, die Stirnlampen erhellten uns den Weg. Schritt für Schritt, jeder einzelner eine Anstrengung, stapften wir höher.

Für die letzten 700 Höhenmeter sollten wir planmäßig etwa 6 Stunden brauchen, also zum Sonnenaufgang den Gipfel erreichen. Doch schon auf 5.500 Meter oder nach 2 Stunden musste mein Bruder aufgeben, der Berg hatte ihn besiegt. Höllische Kopfschmerzen ließen ihn keinen Schritt mehr machen, er kehrte mit dem 2. Guide um. Jetzt waren nur noch mein Freund, der Guide und Ich im Seil. An diesem Punkt glaubte ich immer noch an den Gipfelsieg. Doch es sollte anders kommen. Auf ca. 5.700 Meter, etwa 3 Stunden vor dem Ziel verspürte ich nur noch Halsschmerzen, Übelkeit und Müdigkeit. Die Situation begann irreal zu erscheinen. Du stehst auf einem Bergrücken, um 4:00 morgens unter Vollmondschein, die Kälte ist eisig, manchmal überkommt dich Schwindel und waren es vorher noch 10 Schritte, so musste ich jetzt alle 3 Schritte stehen bleiben um überhaupt weitergehen zu können. Entscheidungsfindung auch nicht leicht, da man benommen ist, quasi Höhenrausch. Trotzdem wurde mir klar, dass es nur eine richtige Entscheidung gab: Aufgabe und Umkehr. Es war nicht leicht, doch als wir nach 2,5 Stunden Abstieg um nach 6:00 Uhr morgens das Camp 2 erreichten wusste ich, dass ich, auch wenn ich den Gipfel geschaffte hätte, wahrscheinlich nicht mehr hinunter gekommen wäre.

Nach 2 Stunden Schlaf Abstieg ins Camp 1 und Rückkehr in die ‚Stadt des Friedens’. Wie ich dann ins Bett gefallen bin brauch ich nicht zu erläutern.

Letztes Highlight in Bolivien: WM 2006 in Deutschland – Qualifikationsspiel im Estadio Olimpico Hernando Siles’ Bolivia vs. Colombia. Ein Pflichttermin für Fußballmenschen. Es gibt eigentlich eh nur eine Regel für das Besuchen von Partien im Ausland: Mischen Sie sich unters Volk der Heimmannschaft und verhalten Sie sich so als wären sie schon immer Fan dieser Truppe. Diese zu befolgen fiel uns nicht schwer und Bolivien deklassierte Kolumbien mit einem 4:0 zu einem historischen Fußballfest der Extraklasse. Nach dem Spiel quasi Ausnahmezustand und Straßenparties bis zum nächsten Morgen. Fußball ist mehr als ein Spiel. Egal wo man ist, redet man über Fußball, findet man Gehör, Freunde und eben Gleichgesinnte, vor allem in Südamerika, wo mancherorts Fußball wirklich das Leben ist. Bo, Bo, Bo, Li, Li, Li, Li, Via, Via, Via - Viva Bolivia.

 

Peru

Fact: Varieties of potatoes: 3500

Wir verließen Bolivien an einem verschneiten Morgen in Richtung Nordwesten und fuhren über Chopacabana am Titicacasee nach Puno (Peru). In Puno angekommen sahen wir uns das erste Mal nach etwa 5 Wochen mit richtigem Tourismus konfrontiert. Bis zu dem Zeitpunkt schafften wir es immer wenig frequentierte und unpopuläre Strecken zu wählen, doch in Peru ist es schwer auszukommen.

Das erste Wochenende verbrachten wir in einem moderaten Hotel und gaben uns unserer ‚Formular Uno’ Sucht hin. Rubens Barrichello genießt nicht halb den Status eines Ayrton Sennas in Südamerika, die Menschen sagen ihm fehlt der Charakter. Bei Juan Pablo sieht es da schon anders aus.

Highlight in Puno war eine Bootstour über den Titicacasee, über die künstlich, schwimmenden Inseln von Uros und der Insel Taquile, wo sich die Männer schon seit jeher dem Stricken hingeben, im Stehen. Inkabauten, Boote aus Balsaholz und einheimische Küche versüßen die Tage am See. Auch hier finden sich wieder die charakteristischen Lamas und Alpacas (eine Art wolliges Mini-Lama). Besonders die Alpacas liefern eine sehr begehrte Wolle, dessen Strickereien in Europas Boutiquen zu horrenden Preisen verkauft werden. In Bolivien und Peru Schnäppchenpreise, und so kaufte ich nicht wenige Souvenirs und Mitbringsel für den ebenfalls kalten Winter in Österreich.

Die Sonnenuntergänge und acrylartigen Wolkenformationen am abendlichen Himmel an den Ufern des Titicacasees waren wunderbar.

Etwa 30 km von Puno entfernt findet man die sogenannten Sillustani, ehemalige, kegelförmige, bis zu 6 Meter hohe Grabbauten der Inkakulturen. Äußerst sehenswert, da man sich, wie so oft in Südamerika, in einer Fantasy-anmaßenden Umgebung wiederfindet.

Die letzte Station unserer Reise hieß Cusco. Die Kolonialstadt im Süden Perus ist das Touristenziel Südamerikas schlechthin und so wunderte es mich nicht, dass ein 3-tägiger  Walk über den Inkapfad nach Macchu Picchu etwa 250 Dollar kostete. Obwohl wir uns diese Inkastadt hoch in den Anden als fixes Ziel vorgenommen hatten, änderten wir unsere Meinung. Man stelle sich die Auswüchse des Massentourismus vor: Das Zugticket zum Inkapfad kostet für Einheimische umgerechnet etwa 50 Dollar Cent, für Touristen und Reisende 30 Dollar. Die Erlöse fließen direkt nach Lima, in die Taschen von Monopolgesellschaften und die Einheimischen an der Strecke sind in den Städten und Dörfern nicht einmal zur Hälfte mit elektrischer Energie versorgt. Auf Grund dessen streikten die Einheimischen vier Tage später und legten die gesamte Bahnstrecke lahm, wie ich nur wenige Tage später in der Frankfurter Allgemeinen lesen konnte und unsere Meinung und Entscheidung bestätigt sah.

Als Alternative besorgten uns mein Bruder und Ich ein Zelt, packten Proviant ein und fuhren ins Herz des Inkareiches: Das Urubamba Tal. Dort trafen wir einen jungen Peruaner welcher uns einen hervorragenden Treck vorstellte, auf den wir kurz später auch aufbrachen. Man stelle sich ein tief eingeschnittenes Tal vor, in welches ein über 1.200 Meter hoher Grad einschneidet, gigantisch. Diesen stiegen wir von 2.900 auf etwa 4.100 Meter auf und stellten das Zelt auf. Wir konnten bis auf das 40 km östlich gelegene Cusco blicken, welches dunkelrotes Licht auf das sich darüber zusammenbrauende Sturmtief warf. Vor unseren Augen blies ein starker Wind das Gewitter in die Stratosphäre, in den rötesten Farben von der schon untergegangenen Sonne beleuchtet. Der Blick in den Norden trifft die schon von der Dunkelheit verschlungen Stadt Calca, deren Lichter ein riesiges Netz in die Dunkelheit zeichnen. Im Süden fließt der Urubamba Fluss dem letzten Tageslicht hinterher, um 1000te Kilometer und etliche Zusammenflüsse später zum Amazonas zu werden – der Kreis schließt sich. Unvergessliche Momente.

In Cusco feierten wir dann auch unseren Abschied, unsere Wege sollten sich trennen. Das Nachtleben der Stadt verschluckte uns im Nu …

Mein Bruder und ich machten uns am folgenden Nachmittag auf in Richtung Lima, der Hauptstadt Perus und unser Freund sollte nach La Paz zurückkehren. Die Nacht im Bus war gefüllt mit Gedanken der letzten Wochen. Nur eine Nacht verbrachten wir in einer billigen Herberge in Lima und schon am nächsten Morgen stand ich am Flughafen um meinem Bruder Ade zu sagen. Sein Weg führt in 2.000 km weit Richtung Norden nach Ecuador, er wird noch bis Ende Dezember die wunderschönen Anden mit seinem Zelt durchstreifen. Der Flug über Caracas nach Frankfurt war einerseits voller Freude auf meine Familie und Freunde in Österreich, aber anderseits auch voller Sehnsucht danach, mit meinem Bruder weiter das Land zu durchwandern …

“There is nothing left to explore … but travelling can still be an adventure because adventure is the pursuit of dreams. And dreams are what define the hearts of human beings. It is their destiny to make them come true.”

FIN

Dieser Bericht ist meinem Bruder und meinem Freund Walker gewidmet; beiden möchte ich mit dieser Retrospektive noch einmal die feine Zeit und unvergesslichen Momente, welche sie mir in Südamerika beschert hatten, in Erinnerung rufen und laut ‚DANKE BURSCHN.’ in die Welt hinaus rufen. In diesem Sinne - One World, One Love …


Gallery

Diese Galerie passiert auf Recherchen im Internet und sind keinen falls meine eigenen Aufnahmen.


Caracas City / Venezuela


Playa el Agua auf der Isla de Magaritha / Venezuela


Boa Vista und Rio Branco / Brasil


Großraum Manaus / Brasil / Rio Negro & Rio Solimoes werden zum Amazonas


Manaus von Manaus / Brasil


Sunset am Rio Madeira / Brasil


Süßwasserdelphin im Rio Madeira / Brasil


Porto Velho / Brasil


La Paz und Nod. Illimani (6.439 m) / Bolivia


La Paz / Bolivia


Huyana Potosi und Minenfriedhof / Bolivia


Huyana Potosi 2


Sweetest Alpaca ;-)


Huyana Potosi Camp 2 / Bolivia


Estadio Olimico 'Hernando Siles' / La Paz / Bolivia


Sillustani - Großraum Puno / Peru


Isle de Uros - Titicacasee / Puno / Peru


Isla Taquile - Titicacasee / Puno / Peru


Cusco / Peru


Calca - Urubamba Tal / Peru


Calca / Peru


Reise Know-How Venezuela, Diethelm Kaiser und Olivia Gordones, 6. Auflage Sept. 2001

 

   
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